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Toskana - Rotweine von Weltruf
Der italienische Wein und Weinbau haben sich in den letzten 30 Jahren stärker verändert als in den 300 Jahren davor. Die gemischten Kulturen
aus Reben, Oliven- und Obstbäumen sind verschwunden. In den Weinbergen sind die Rebstöcke nach Sorten getrennt angepflanzt. Die Trauben werden getrennt gelesen und nicht mehr wie früher im gemischten
Satz
gekeltert. Auch in den Kellern hat sich viel verändert. Dies hat zu einem ungeahnten Anstieg der Qualitäten geführt. Diese Entwicklung hat inzwischen alle italienischen Weinregionen erfasst - ihren Ursprung nahm die Qualitätsoffensive jedoch in den 60er Jahren in einer Region: der
Toskana. Das Land zwischen dem Appenin und dem Tyrrhenischen Meer ist eine der schönsten und besterhaltenen Kulturlandschaften Europas und seit jeher eine ausgesprochene Weinbauregion. Ein 200
Kilometer langer Hügelteppich breitet sich von der nördlichen zur südlichen Grenze aus. Weinbau findet in der Hügelzone fast überall statt, allerdings gibt es wenige zusammenhängende Rebflächen. 72.000 ha
Rebfläche erbringen eine durchschnittliche Ernte von 300 Millionen Litern.
In der Toskana gibt es vier DOCG-Gebiete aus den auch die bedeutendsten Weine kommen: Chianti, Vino Nobile di Montepulciano,
Brunello di Montalcino und Carmigiano.
Die toskanischen Rotweine haben eine Gemeinsamkeit - die Hauptrebsorte ist Sangiovese. Erwähnt wird Sangiovese
erstmals 1722 in der Toskana, doch es spricht vieles dafür, daß die Rebsorte schon 2000 Jahre früher in Italien bekannt war und von den Etruskern angebaut wurde. Heute ist der Sangiovese mit über 10 % Anteil
an der
gesamten Weinbaufläche Italiens die mit Abstand am weitesten verbreitete rote Rebsorte Italiens. Sangiovese reift langsam und spät. In den zentralen Gebiete der Toskana begann die Lese früher erst im Oktober, heute durch Ertragsbeschränkung und neue Anlagen kann die Hauptlese oft schon Ende September starten. Das ist in warmen und trocken Jahren kein Problem. Der Sangiovese kann voll ausreifen und erbringt dichte, alkoholstarke und langlebige Weine. Anders in kühleren Jahrgängen: häufig findet man hohe Säurewerte und harte Tannine, die Traubenkerne reifen selten aus und bringen grüne Noten in den Wein.
Allen überlieferten Beschreibungen des Sangiovese gemeinsam ist die Feststellung, daß er eine
betonte Säure und harte Tannine hat. Die Empfehlungen lauteten immer wieder, ihn mit andren Sorten zu verschneiden. Die bekannteste Lösung war der Verschnitt mit der roten Rebsorte Canaiolo und den beiden weißen Sorten Malvasia und Trebbiano. Diese Rezeptur bildete lange Zeit die Grundlage für Chianti, Chianti Classico und Vino Nobile. In den letzten Jahren wird versucht die Rauheit des Sangiovese durch Verschnitt mit Merlot und den Ausbau des Weines im Barriquefass abzumildern.
Chianti ist nach Fläche und Produktionsvolumen das größte Weinbaugebiet Italiens.
Seine Herstellung umfasst die Provinzen Arezzo, Florenz, Pisa, Pistoia und Siena. Die Böden weisen so unterschiedliche Eigenschaften auf, daß die
Weine lediglich in Ihrer offiziellen Zusammensetzung übereinstimmen. Der offizielle Mischsatz besteht aus mind. 75 % Sangiovese, max.10% Canaiolo Nero, der Rest: Malvasia und Trebbiano. Die ehemals zwingend vorgeschriebenen Anteile an diesen beiden weißen Trauben können seit 1996 vernachlässigt werden. Höchstertrag auf 75 hl/ha. Aufgrund der vielfältigen Anbaubedingungen wurden sieben Zusatz-bezeichnungen für in sich jeweils ähnliche Gebiete eingeführt: Chianti Classico, Colli Fiorentini, Colli Arentini, Colli Senesi, Colli Pisane, Montalbano und Rufina.
Der eigentliche Chianti nennt sich demnach Chianti Classico und entsteht im Hügel-Gebiet (100-500 Meter Seehöhe) zwischen Florenz und Siena.
Dieser Wein unterscheidet sich vom einfacheren Chianti durch die Begrenzung der Hektarerträge auf 52,5 hl/ha, den vorgeschriebenen
Mindestalkoholgehalt von 12 % Vol., den Sangiovese-Anteil von mind. 80 % und dem Verbot der weißen Rebsorten (ab Ernte 2000). Die meisten Erzeuger gehören zum Consorzio del Marchio Storico und verwenden sein
Zeichen, den schwarzen Hahn, auf der Kapsel.
Ein bekannter Rotwein der Südtoskana ist der Vino Nobile di Montepulciano
. Im Gebiet der Stadt Montepulciano südlich von Siena, liegt das
Produktionsgebiet dieses Weines. Die bedeutendsten Rebsorten sind die Sangiovese Grosso und die Canaiolo Nero (max. 10 % weiße Trauben). Der Ertrag ist auf 56 hl/ha beschränkt, die zweijährige Lagerung in Eichen- oder Kastanienfässern ist obligatorisch vorgeschrieben (bei der Riserva 3 Jahre). Aus Montepulciano stammte Papst Paul III. (1468–549) und er zog den Wein seiner Heimatstadt allen anderen vor. Da der beste Wein immer für den Papst reserviert wurde erhielt der Montepulciano den Beinamem ”Vino Nobile”, der Wein für die Vornehmen, den Adel. Vino Nobile di Montepulciano besitzt ein Veilchen-Bouquet, und ist lange lagerfähig.
Der bekannteste Wein der südlichen Toskana ist jedoch der
Brunello di Montalcino. Die DOCG besteht seit 1980 und umfasst nur das Gebiet der Gemeinde
Montalcino. Der Brunello ist der international am höchsten geschätzte DOCG-Rotwein Italiens: ein üppiger, muskulöser Wein mit einem tiefen Zedern- und Brombeerduft und viel weichem, aber kräftigen Tannin. Er wird schon immer reinsortig aus einer besonders kleinbeerigen Spielart des Sangiovese, der Sangiovese Grosso gekeltert, die in der Gegend auch Brunello heißt. Die Produktionsbedingungen schreiben einen Höchstertrag von max. 56 hl pro Hektar vor. In der Jugend ist ein Brunello hart und unzugänglich, deshalb beträgt die Mindest-Reifezeit in Kastanien-Fässern 3,5 Jahre und beim Riserva 5 Jahre; bei Letzterem wird der Höhepunkt oft erst nach 25 Jahren erreicht. Ein Brunello kommt erst 5 Jahre nach der Ernte in den Verkauf. Das kommt der Eigentümlichkeit des Sangiovese, der lange Zeit braucht um seine charakteristischen Duftnoten zu entwickeln, sicherlich zu Gute, die Weine werden zugänglicher und runder. Der intensiv rubinrote Wein hat einen trockenen, tannin-betonten Geschmack mit einem Bouquet von aromatischen Hölzern, Früchten, Vanille und Marmelade. Dank der südlicheren Lage des Anbaugebietes wuchtiger und schwerer als der Chianti Classico. Sein Tannin ist süßer und weicher, die Säure liegt niedriger.
130 Kellereien stellen Brunello her und erzeugen mit rund 1000 ha Rebfläche etwa 40.000 hl Wein pro Jahr.
Der bekannteste Weißwein der Toskana ist der
Vernaccia di San Gimignano. Zum DOCG Gebiet gehören 60 ha Rebfläche auf den Tuffsteinhügeln rund um die Stadt San
Gimignano. Der trockene Wein wird sortenrein aus der Rebsorte Vernaccia gekeltert. Ein fruchtig frischer Weißwein mit heller goldgelber Farbe. Das Bukett ist zart duftend mit leichtem Aroma reifer Früchte. Durch die
geringe Säure ist der Geschmack harmonisch bekömmlich und hat einen zart bitteren Abgang. Ein Vernaccia war schon der Lieblingswein des Malers und Bildhauers Michelangelo Buonarroti (1475-1564). Von ihm ist folgender Ausspruch aus dem Jahre 1543 schriftlich verbürgt: "Er küsst, schmeichelt, beißt und schmeißt!"
Vin Santo Der Name dieses Dessertweines bedeutet ”heiliger Wein” (auch Vinsanto oder Vino Santo) weil er gerne als Messwein verwendet wurde und teilweise noch wird. Zumeist handelt es sich um süße Varianten (amabile), aber es werden auch trockene (secco) erzeugt. Ausgesuchte Trauben der weißen Rebsorten Malvasia, Trebbiano oder Grechetto werden zum Trocknen auf Regale ausgelegt. Angeschimmelte Trauben werden ausgeschieden. Erst nach Weihnachten werden die Trauben gekeltert und der Most in kleine Kastanien- oder Eichenholzfässer (Caratelli) gefüllt. Traditionell werden die Fässer mit Zement verschlossen und erst nach zwei bis sechs Jahren wieder geöffnet. Das Ergebnis ist ein üppiger, alkoholstarker, süßer und golden-bernstein- farbener Wein.
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